THIS BLOG FOCUSES, FIRST, ON THE QUESTION WHY THE SERBIANS AND MILOSEVIC WERE MADE EXCLUSIVELY RESPONSIBLE FOR THE DISINTEGRATION AND THE CRIMES COMMITTED DURING THE DISINTEGTRATION. I.E. IT IS QUESTION OF HOW AND WHY SUCH A HUGE MAJORITY OF WESTERN NEWS CONSUMERS ARRIVED AT THAT CONCLUSION AND THEN ACTED UPON IT IN A VARIETY OF WAYS, ONE OF THEM BEING ATTACKS ON THE ANYTHING BUT A PERSONAL SAINT, PETER HANDKE'S WORK, REALLY GANGED UP ON THE WORK.

Sunday, September 19, 2010

Leopold Federmair : Herkunft und Entrückung – Fabjan Hafner auf den slowenischen Spuren Peter Handkes

In seinem Anfang 1996 in der Süddeutschen Zeitung, später auch zwischen Buchdeckeln veröffentlichten Bericht von einer Reise nach Serbien projiziert Peter Handke
auf das Serbien der Ära von Miloševic’ Nationalsozialismus seinen tiefverwurzelten Wunsch (einst auf Slowenien gerichtet, doch nur bis zur Erklärung der Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit) nach einem pastoralen Land, in dem die Bevölkerung im Einklang mit der Natur lebt. Er beschrieb seinen Wunsch nach der elementaren Berührung der Erdscholle und nach einem selbstgenügsamen Kosmos, in dem die urbane Modernität des Westens die Menschen noch nicht verdorben hat. Verstehen Sie mich nicht falsch: in Handkes Essay gibt es ein paar wirklich wunderbare lyrische Passagen, insbesondere bei der Beschreibung des serbischen Bauern. Gerade ihn hat Handke zur repräsentativen Figur der serbischen Kultur erkoren. Die Suche nach einer reinen, unverdorbenen und echten Identität ist zugleich die Brutstätte einer kryptofaschistischen Blut-und-Boden-Ideologie.
Diese Sätze kann man in Fabjan Hafners Monographie über Peter Handke lesen, die die slowenischen Zusammenhänge in Leben und Werk des Kärntner Erzählers herausarbeitet und mit Fug und Recht zu einem seiner Hauptthemen erklärt. Sie sind freilich Zitat; Hafner würde, selbst wenn in seinem Buch da und dort kritische Distanz zu seinem Gegenstand – “seinem” Autor – durchklingt, Handke niemals als Faschisten denunzieren (das Passepartouts “Krypto-” legen wir flugs beiseite).
Dennoch, der kurzgefaßte Befund deckt sich durchaus mit seiner eigenen, ausführlichen und annähernd erschöpfenden Studie; die Konstruktion von Handkes Slowenien, seinem “Neunten Land“, einer entschieden literarischen, zugleich aber wirklichkeitsnahen Utopie, speist sich tatsächlich aus romantischen, antizivilisatorischen Sehnsüchten, sie ist, wie die historische Romantik, in ihren Ansätzen kapitalismuskritisch, als politisches Programm aber kaum zu gebrauchen. Hier liegt wohl der springende Punkt, an dem sich Handke, der ein karges ländliches Slowenien im Auge hatte, eben das (reale) Karstland, und seine slowenischen, eine entschieden urbane Kultur vertretenden Kritiker wie in einem Gespräch von Tauben gegenüberstehen. Schlichter gesagt: sie reden aneinander vorbei. “Die Literatur ist romantisch”, hatte Handke schon vor Jahr und Tag, damals noch als Pop-Dichter in den Charts, nicht nur ausgerufen, sondern auch ausgeführt.
“Die Literatur dient der Aufklärung”, könnte Aleš Debeljak, der Laibacher Lyriker, Kulturkritiker und Literaturprofessor, von dem das Eingangszitat stammt, entgegnen. Wer hat recht? Niemand hat recht. Sicher ist nur, daß Handke mit einer Blut-und-Boden-Ideologie, sofern hier, und das ist fast unvermeidlich, historisch-politische Assoziationen suggeriert sind, nie etwas am Hut hatte. Aus einem ganz bestimmten Grund: Handke sieht sich seit seinen literarischen Anfängen als Antikriegsdichter, später dann als Epiker des Friedens, während der Faschismus ohne aggressive Gestik und Kriegsverherrlichung nicht das sein kann, was er ist. Auch diese Grundtatsache spielt, samt ihren kapillaren Wirkungen, eine wichtige Rolle in Hafners Monographie.
Die slowenische und die Kriegsthematik sind in ihren biographischen Ursprüngen wie auch in den literarischen Umsetzungen und sogar noch in Handkes Zukunftsprojekten – Hafner berichtet von einem geplanten großen Werk, einem Partisanendrama – auf das engste verschränkt. Insofern legt Hafner, mitsamt den unvermeidlichen Überschneidungen, eine wichtige Ergänzung zurRowohlt-Monographie von Hans Höller vor. Höller macht in seiner knappen Darstellung von Handkes Leben und Werk die Kriegserfahrung des Kleinkinds zum biographischen Angelpunkt seiner Darstellung. Beide Monographien haben, unabhängig von ihrer Seitenanzahl, in etwa dasselbe Gewicht. Stark verkürzend könnte man sagen, daß das Handkesche Werk in der Art einer Ellipse mit ihren zwei Brennpunkten nicht mehr als zwei Hauptthemenkreise hat: die Kriegserfahrung und Friedenssehnsucht einerseits, die Identitätssuche des halben Slowenen andererseits.
Mag sein, daß alles andere nur Geschmacksfragen sind; Fragen von Vorlieben, Prägungen, mehr oder weniger zufälligen Beeinflussungen – auf der Leser- wie auch auf der Autorenseite. Jede Romantik hat eine Tendenz zum Eskapismus, zur Beschönigung, das ist Handke selbst seit langem bewußt. Hätte es noch eines Beweises bedurft, er läge jetzt mit dem höchst selbstironischen und selbstkritischen, stellenweise aber auch wieder pathetischen, epiphanischen und eben romantischen Rundreiseepos Die morawische Nacht vor. Klemens Renoldner hat im Anschluß an seine Besprechung von Höllers Monographie das Selbstbezügliche von Handkes Schreiben moniert und dabei sogar das Genre der Autobiographie in ein zweifelhaftes Licht gerückt (Literatur und Kritik 429/430).
Wie welthaltig Handkes Werke sind, darüber ließe sich lange streiten. Ich erinnere an Wunschloses Unglück, diese Biographie und Autobiographie – Familienbiographie, zugleich fiktional und real, ein typisches Handke-Genre neben den road novels -, wo der Autor, gar nicht viel anders als in dem gesellschafts- und sprachkritischen Sprechstück Kaspar, biographische Muster mit individuellen Erfahrungen konfrontiert, wobei manche Passagen nachgerade soziologisch geraten. Vor allem aber hat Handke im Lauf der Jahre eine Technik der Augenblicksbeschreibung und der erzählenden Verbindung dieser Augenblicke entwickelt und ausgefeilt, auf die Hafner, ohne dabei die Slowenien-Thematik aus den Augen zu verlieren, immer wieder Bezug nimmt. Auch diese beiden Aspekte hängen nämlich engstens zusammen, die Augenblicksseligkeit der Handkeschen Utopien, die beileibe nicht immer an loci amoeni, an “pastorale Orte” gebunden sind, und der Wunsch nach einer Kärntner slowenischen – in der Morawischen Nacht heißt es einmal ironisch: “balkanesischen” – Heimkehr, die nicht gleichbedeutend mit Selbstaufgabe wäre. Natürlich muß man zum verstreuten Volk der Leser gehören, um solche Epiphanien lesen und schätzen und auch – genießen zu können.
Sind diese Entrückungen dazu angetan, ein neues Schönheitsempfinden zu begründen, auch und gerade an “unschönen” Orten, nicht nur in Karstdolinen, sondern in Vorortgegenden, am staubigen Balkan, im nicht weniger staubigen, sonneverbrannten Kastilien oder im entstellten, “umgevolkten” österreichischen Dorf? Oder sind sie beschönigend, führen sie in die Irre?
Handke hat längst zu zweifeln begonnen, und wer zum Volk der Leser gehört, tut es, selbst wenn er ein Freund der Aufklärung ist, mit dem Schreiber, weil er keine Alternative weiß, als weiterzusuchen: unterwegs, ja, in ein Neuntes Land, dessen Umrisse sich immer wieder verändern.
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